Einige Überlegungen zu About Me-Videos

Da wir, das sind Frauke Steiner , die Leiterin und Dozentin der filmschoolvienna und ich, am 25. August einen Workshop zum Thema About Me-Videos halten, hier nun einige Gedanken zu dieser Form der Präsentation.

1. Was sind About-Me Videos?

About Me -Videos sind kleine Demovideos, in denen du nicht vorrangig in einer Rolle zu sehen bist, sondern in denen du zum Beispiel eine kleine Geschichte oder Begebenheit aus deinem Umfeld erzählst,
Das About Me-Video gibt dem Betrachter die Möglichkeit dich so zu sehen, wie die Kamera dich wahrnimmt, natürlich auch deine Stimme zu hören. Man möchte also sehen: verstehst du Kamera, hast du in diesem Medium Präsenz, bewegst du dich ‘natürlich’ und nicht gekünstelt. Man sieht da natürlich auch deinen Typ, also jenes Torteneck an Rollenprofil, wo man dich einordnet. ( Wie ihr wißt, besetzt Film selten gegen den Typ, anders als das Theater, wo das schon noch häufiger vorkommt)

Es gibt ganz einfache About-Me Videos, da sitzt der Schauspieler / die Schauspieler*in und erzählt etwas.
Es gibt auch die Videos, wo man wie in einem kleinen Image -Film mit dem Darsteller/der Darstellerin durch die Stadt läuft, sie/ihn in einem Café beobachtet, beim Sport mit dabei ist, während die Tonspur eben die Geschichte erzählt. Manchmal ist es eine Mischung.

Zwei kleine Beispiele , die zu Besetzungen geführt haben gibt Tina Thiele, die Initiatorin der Branchenplattform casting-network.de  in ihrem Buch “Casting” wieder. Lucas Gregorowicz hätte sich demnach, durch Bochum schlendernd, selbst gefilmt und Sven Hoenig stand vor seinem alten Schwimmbad, das gerade abgerissen wurde und erzählte über sein Seepferdchen-Abzeichen, das er wohl darin erworben hatte. Auch das brachte eine Besetzung!

2. Wie erstellt man ein About-Me Video?

Von der technischen Seite her kann man About Me – Videos mit jeder Kamera eines Mobiltelefons oder Tabletts drehen. Natürlich nicht hochkannt, sondern im Querformat! Und man muss für die richtigen Lichtverhältnisse sorgen. Im Freien oder einem lichtdurchfluteten Raum drehen, so spart man sich schon mal die Scheinwerfer! (Vergeßt nicht, darauf zu achten, wann die Sonne untergeht, sonst sitzt ihr im Dunkeln und habt noch nichts im Kasten). Und achte bitte darauf, dass genug Licht im Gesicht ist!
Es ist jedoch sehr von Vorteil wenn jemand anderer, als ihr selbst, die “Kamera” bedient, notfalls bastelt ihr euch ein Stativ.
Einfacher ist es auch, wenn die Kamera sich nicht bewegt, sondern maximal ihr.
Probiert den Ton aus.
Wenn es nicht anders geht, schnappt euch ein Mikrofon ( ausleihen), das ihr an die Kamera anstöpseln könnt, und das gleichzeitig mit dem Bild aufnimmt, sonst müßt ihr nach dem Dreh noch Bild- und Tonspur exakt übereinanderlegen.

Und mach nicht alles an einem Tag, geh vorher üben. So weißt du über mögliche Tücken Bescheid!
Also plane 2 Tage ein, einer zum Probieren und einer, wo es gilt! Das nimmt auch den Zeitdruck raus.

Und ganz wichtig: Begrenzt das Material zeitlich. Das fertige Video sollte MAXIMAL 3 Minuten lang sein!

3. Gründe für ein About-Me Video?

Ein Schauspieler/ eine Schauspielerin, der/die zum Film will und kein Band hat, ist heute ein NoGo. Man wird niemanden besetzen, den man nicht vorher in Bewegtbildern gesehen hat.

About-Me Videos sind wunderbare Anfänge, wenn man aus dem Studium kommt, mit seiner/ihrer Schauspielausbildung gerade fertig geworden ist und nun auf den Markt drängt.

Sie sind kostengünstig und relativ unaufwändig herzustellen.

Man kann sie als Wiedereinstieg nach einer Berufspause nutzen, oder wenn man lange nicht gedreht hat. Denn Videos sollten nicht älter als 2 Jahre sein. Das wird von vielen Caster*innen dann einfach nicht mehr gesichtet. Warum? Weil Kamera jede Veränderung mitnimmt, und sich allein durch den Prozess des Älterwerdens eine Typveränderung ergeben kann. Man kann als Besetzer*in keinem Regisseur/keiner Regisseur*in einen Schauspieler/eine Schauspielerin vorschlagen, deren/dessen Demoband 10 Jahre alt ist, da man nicht garantieren kann, wer da dann zur Tür hereinkommt beim Casting! Und ob dieser Mesch dem entspricht, was auf dem 10 Jahre alten Band zu sehen ist.
Es geht nicht darum eure schauspielerischen Fähigkeiten in Abrede zu stellen, grundsätzlich geht man davon aus, ihr könnt euren Job. Es geht nur um die Gewißheit, wie seht ihr jetzt aus, wie ist eure Wirkung nun in der Kamera!

Und natürlich liegt es auf der Hand, das man damit einen Typwechsel herbeiführen kann, in dem man sich von einer anderen Seite zeigen kann, als jener, mit der man üblicher Weise besetzt wird.

Darum ist es enorm wichtig 3 Dinge vor dem About-Me Videodreh zu klären:
. Wie wirke ich auf andere? (wo ist mein hauptsächliches Rollenprofil)
. Wie sehe ich mich selbst? ( Stimmt Fremd- und Eigenwahrnehmung überein oder klafft das auseinander?)
. Und wie möchte ich wahrgenommen werden? ( welches Rollenprofil möchte ich ausfüllen?)

Also warte nicht darauf, bis DIE Rolle fürs Demoband endlich kommt, sondern leg selber los!

4. Beispiele für About-Me Videos

Wahrscheinlich kennen das einige von euch schon, für jene aber, an denen das bis jetzt vorbeigerauscht ist: es gibt ein Festival für im erweiterten Sinne About-Me Videos, das ist der Wettbewerb und die Präsentation der SMS- Self Made Shorties
Erfunden hat das Ganze Daniel Philippen von der deutschen Arbeitsvermittlung für Schauspieler*innen ZAV.  Lest euch bitte die begeisterten Statements und Bekundungen zum ersten SMS-Festival durch,  das motiviert ungemein um selber gleich in medias res zu gehen.
Gib doch mal SMS oder self made shorty bei youtube ein und schau, was Kolleg*innen so gemacht haben.

Ein weiteres Beispiel kommt vom BFFS, der auch eine ganze Serie von “About-Mes” ins Leben gerufen und online gestellt hat: Die Reihe hieß UNGESCHMINKT, und hinter den nachfolgenden Links verbergen sich die unterschiedlichen Resultate.
NRW ungeschminkt – BFFS Schauspieler im Portrait  und BAYERN ungeschminkt – BFFS Schauspieler im Portrait.

So. Ich hoffe, du hast jetzt ein kleiner Überblick zum Thema bekommen.
Im kommenden Workshop werden wir mit dir die wichtigsten Fragen erörtern und auch gleich praktisch üben, wie man so ein Video erstellt.

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